Podcast-Zusammenfassungen · Episode 23 · 06. Oktober 2026
Deine SIM-Karte verrät dich!
Was deine SIM über dich verrät, und welche drei Stufen wirklich helfen.
Ein datenschutzfreundliches Smartphone hinterlässt trotzdem Spuren im Mobilfunknetz. Damit dein Handy erreichbar ist, braucht das Netz Informationen über seinen Standort. Daraus können Bewegungsmuster entstehen. Welche Apps du gelöscht oder durch bessere Alternativen ersetzt hast, ändert daran erst einmal nichts.
In Deutschland wird eine SIM-Karte nach einer Identitätsprüfung auf deinen Namen registriert. Aber auch eine Karte ohne Ausweispflicht macht dich nicht automatisch anonym. Wer regelmäßig zwischen derselben Wohnung und demselben Arbeitsplatz pendelt, hinterlässt ein Muster, das auf die eigene Person hinweisen kann.
Hinzu kommen zwei Kennungen: Die IMSI gehört zu deinem Mobilfunkanschluss und wird über die SIM verwendet. Die IMEI kennzeichnet das Mobilfunkgerät, also etwa dein Smartphone oder einen Router. Im Netz lassen sich beide miteinander verknüpfen. Kann eine davon dir zugeordnet werden, lässt sich darüber möglicherweise auch die andere zuordnen. Ob du eine physische SIM oder eine eSIM nutzt, ändert an diesem Grundproblem nichts.
Für Nachrichten und Anrufe ist Signal deshalb die bessere Wahl. Herkömmliche SMS und Telefonate bieten nicht dieselbe Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Für zusätzliche Anmeldecodes bei Onlinekonten eignen sich Ente Auth oder Aegis statt SMS, sofern der jeweilige Dienst solche Zwei-Faktor-Apps unterstützt.
Die folgenden drei Stufen helfen, den Aufwand einzuordnen. Einzelne Maßnahmen kannst du kombinieren, ohne dich für eine komplette Stufe entscheiden zu müssen.
Stufe 1: Mobilfunk ausschalten, wenn du ihn nicht brauchst
Timo Volkov bleibt bei einer normalen SIM-Karte. Er nutzt häufig den Flugmodus und zusätzlich eine Faraday-Tasche. Zu Hause lässt sich das leicht ausprobieren: Flugmodus einschalten, WLAN wieder aktivieren und darüber ins Internet gehen. Auch unterwegs kann Mobilfunk ausbleiben, solange du ihn nicht brauchst und nicht darüber erreichbar sein musst.
Wenn du weiterhin normale Anrufe oder SMS empfangen möchtest, prüfe die WLAN-Telefonie in deinen Einstellungen. Ob und in welchem Umfang das funktioniert, hängt von Gerät und Anbieter ab. Der Anbieter bleibt dabei beteiligt und weiß weiterhin von deiner Nutzung.
Nur die SIM herauszunehmen ist nicht dasselbe, wie den Mobilfunk abzuschalten. Dafür ist der Flugmodus gedacht. WLAN und Bluetooth können dabei eingeschaltet bleiben, also lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Einstellungen.
Faraday-Taschen wie die von SLNT oder Mission Darkness sollen Funkverbindungen physisch abschirmen. Das funktioniert nur, wenn Material und Verschluss ausreichend abschirmen und das Handy in der geschlossenen Tasche bleibt. Timo empfiehlt, die Tasche selbst zu testen: Handy mit einem Bluetooth-Lautsprecher verbinden, Musik abspielen und dann die Tasche schließen. Bereits übertragene Musik kann noch kurz weiterlaufen. Bricht die Verbindung ab, hast du diese Bluetooth-Verbindung geprüft. Das beweist nicht, dass die Tasche alle Frequenzen blockiert. Und sobald du das Handy herausnimmst, kann es sich wieder verbinden und zuvor zurückgehaltene Daten übertragen.
Stufe 2: Die SIM in einem anderen Gerät nutzen
Nino Lahrmann trennt Beruf und Privatleben mit zwei Smartphones. Im beruflichen steckt eine SIM, damit er für normale Anrufe und SMS erreichbar ist. Sein privates Handy hat keine. Wenn er privat unterwegs ist, kann das berufliche Gerät ausgeschaltet bleiben oder zu Hause liegen. Braucht er doch mobiles Internet, kann er es mitnehmen und einen WLAN-Hotspot für das private Handy öffnen.
Statt eines zweiten Smartphones kommt dafür auch ein externer Mobilfunkrouter wie der GL.iNet Mudi 7 infrage. Die SIM steckt im Router, dein Handy geht über dessen WLAN ins Internet. Die IMEI deines Handys wird damit nicht für diese Mobilfunkverbindung verwendet. Sichtbar bleibt aber der Router mit seiner Gerätekennung und der SIM. Auch ein VPN auf dem Router macht daraus keine anonyme Verbindung.
Ein weiteres Gerät musst du dann mitnehmen, laden und mit Updates versorgen. Das klingt zunächst nach wenig Zusatzarbeit, kann unterwegs aber lästig werden. Für Nino passt die Trennung, weil er ohnehin zwei Handys nutzt. Ein zusätzliches Gerät allein für diesen Zweck anzuschaffen, will gut überlegt sein.
Auch bei Telefonnummern lässt sich etwas trennen: voip.ms bietet eine längerfristig nutzbare Internetnummer, sms4sats ist für einzelne SMS-Codes gedacht. So musst du nicht überall deine übliche Handynummer angeben. Manche Dienste lehnen solche Nummern allerdings ab. Für wichtige, dauerhaft genutzte Konten sind Wegwerfnummern ungeeignet. Wenn du später keinen SMS-Zugriff mehr hast, kann dir der Zugang zum Konto fehlen. Wird die Nummer neu vergeben, landen neue Codes womöglich bei jemand anderem.
Silent.link und NADA bieten eSIMs ohne Identitätsprüfung an und nutzen Roaming, also ein hiesiges Mobilfunknetz über einen ausländischen Anbieter. Das erspart die Ausweiskopie bei der Anmeldung, verhindert aber weder Ortung noch die Verknüpfung von Kennungen und Bewegungsmustern. Auch der örtliche Netzbetreiber ist an der Verbindung beteiligt.
Stufe 3: Warum vollständige Anonymität so aufwendig ist
Wer eine Zuordnung zur eigenen Person vermeiden möchte, müsste neben den Kennungen auch gewohnte Aufenthaltsorte, Routinen und Kontakte berücksichtigen. Eine neue SIM allein reicht dafür nicht: Die Gerätekennung bleibt dieselbe. Die Überlegungen reichen deshalb bis zum wiederholten Austausch von Gerät und SIM. Selbst das ist keine Garantie für Anonymität. Es zeigt vor allem, wie viel Aufwand nötig wäre und wie leicht wieder Verbindungen zur eigenen Person entstehen können.
Such dir heraus, was zu deinem Alltag passt. Wenn dich die Gerätetrennung mehr beschäftigt, als sie dir hilft, ist die Zeit bei Browser, Passwörtern oder Betriebssystem womöglich besser investiert.