Podcast-Zusammenfassungen · Episode 13 · 28. Juli 2026
Unser Smartphone-Setup
So haben wir unsere Smartphones eingerichtet, warum sich unsere Setups unterscheiden und welche Ideen du daraus für dich mitnehmen kannst.
Unser Smartphone-Setup ist kein Bauplan, den man Schritt für Schritt kopieren sollte. Es soll zeigen, welche Lösungen wir für unseren Alltag gewählt haben und warum. Timo Volkov und Nino Lahrmann beschäftigen sich beruflich mit Privacy und investieren deshalb deutlich mehr Zeit in ihre Geräte als die meisten Menschen. Das Setup ist kein Maßstab und kein Grund, das eigene Smartphone damit zu vergleichen. Man sollte sich einzelne Ideen herausnehmen, die zum eigenen Alltag und Bedrohungsmodell passen.
Unsere gemeinsame Grundlage: Pixel mit GrapheneOS
Wir verwenden beide Google-Pixel-Smartphones mit GrapheneOS. Das System ist für uns die derzeit beste Grundlage, weil es Sicherheit, Privatsphäre und Kontrolle über die eigenen Daten verbindet. Viele Schutzfunktionen sind direkt eingebaut und müssen nicht mit zusätzlichen Apps nachgerüstet werden.
Einige Einstellungen nutzen wir beide:
- Apps erhalten nur die Berechtigungen, die sie wirklich brauchen. Auch der Zugriff auf die vielen Sensoren des Smartphones lässt sich entziehen.
- Eine Duress-PIN setzt das Gerät zurück, wenn genau diese PIN eingegeben wird. Sie kann helfen, falls jemand typische Zahlenkombinationen ausprobiert.
- Der Fingerabdruck wird mit einer zusätzlichen PIN kombiniert. Dadurch reicht der Finger allein nicht zum Entsperren.
- WLAN und Bluetooth schalten sich automatisch ab, sobald sie eine Weile nicht verbunden sind.
Danach unterscheiden sich unsere Setups deutlich. Nino erledigt möglichst viel über seine Smartphones und legt einen besonders starken Schwerpunkt auf Sicherheit. Timo versucht, das Smartphone möglichst wenig mitzunehmen und arbeitet lieber am Laptop, weil für ihn die Privatsphäre etwas stärker im Vordergrund steht.
Ninos Setup mit zwei Smartphones
Nino nutzt ein Pixel 8 und ein Pixel 8 Pro. Zwei Geräte sind für ihn nötig, weil sich seine Anforderungen nicht bequem auf einem Smartphone vereinen lassen.
Das erste Gerät enthält die SIM-Karte und wird für geschäftliche Zwecke, soziale Kontakte und notwendige Apps verwendet. Dort liegt auch das vollständige Kontaktbuch. Einige weniger private Apps wie WhatsApp, Telegram, Steam, die Deutsche-Bahn-App oder TomTom sind auf diesem Gerät erlaubt, weil Nino die Funktionen oder den Zugang zu bestimmten Gemeinschaften benötigt.
Das zweite Smartphone ist stärker abgeschottet. Es bekommt möglichst wenige Berechtigungen und wird zusätzlich durch mehrere Benutzerprofile getrennt. Apps können in einem anderen Profil installiert werden als dem Profil, in dem sie später genutzt werden. Der App-Store sieht dadurch, welche Apps vorhanden sind, aber nicht automatisch, was in den getrennten Profilen mit ihnen geschieht.
Für proprietäre Apps verwendet Nino den Google Play Store mit einem separaten Konto. Für Open-Source-Apps nutzt er Droid-ify. Obtainium bietet zwar mehr Kontrolle über direkte Quellen wie GitHub, ist ihm für seinen Alltag aber zu aufwendig einzurichten.
Nino versucht außerdem, so wenige Apps wie möglich zu installieren. Wenn ein Dienst gut im Browser funktioniert, nutzt er lieber die Website oder eine Progressive Web App. Eine nur vorübergehend benötigte App wird danach wieder gelöscht.
Zu seinen häufig genutzten Privacy-Apps gehören unter anderem:
- Aegis für Zwei-Faktor-Codes und Bitwarden für Passwörter
- Signal und Molly für private Kommunikation
- AntennaPod und Fountain für Podcasts
- Grayjay für YouTube-Videos
- EasyWatermark für Wasserzeichen auf sensiblen Bildern
- FairScan für lokale PDF-Scans
- Gadgetbridge zur lokalen Verbindung unterstützter Smartwatches und anderer Geräte
- Proton und Tuta für E-Mail und weitere Dienste
Bei einigen Anwendungen entscheidet Nino bewusst zugunsten der Bequemlichkeit. Die Deutsche-Bahn-App erleichtert seine Reisen, TomTom funktioniert für ihn in Nordhessen besser als privatere Navigationslösungen und eine bestimmte Banking-App bietet eine für ihn besonders wertvolle Kontenaufteilung. Solche Apps bleiben auf dem weniger privaten Smartphone.
Timos Setup mit einem Smartphone und mehreren Profilen
Timo nutzt ein Pixel 9 mit GrapheneOS und einer gewöhnlichen SIM-Karte, die auf seinen Namen registriert ist. Er versucht nicht, die SIM-Karte künstlich zu anonymisieren. Stattdessen bleibt das Smartphone ungefähr 95 Prozent der Zeit im Flugmodus. Zu Hause ist WLAN aktiv und WLAN-Telefonie sorgt dafür, dass Anrufe und SMS trotzdem ankommen.
Sein Pixel ist in mehrere Bereiche aufgeteilt:
- Das Hauptprofil wird fast nur für die Installation von Apps verwendet.
- Im Alltagsprofil liegen Messenger und die regelmäßig benötigten Anwendungen.
- Im Finanzprofil befinden sich Banking-Apps und Bitcoin-Wallets.
- Vertrauliche Profile nehmen proprietäre Apps und Programme mit Google Play Services auf. Dadurch bleiben sie von den Open-Source-Apps in den normalen Profilen getrennt.
Diese Trennung soll verhindern, dass ein geöffnetes Alltagsprofil sofort Zugriff auf Banken und Bitcoin-Wallets ermöglicht. Gleichzeitig lassen sich vertrauliche Profile innerhalb des jeweiligen normalen Profils verwenden, ohne ständig zwischen vollständig getrennten Benutzerkonten wechseln zu müssen.
Timo installiert proprietäre Apps über Google Play mit einem getrennten Konto. Die benötigte Telefonnummer hat er über Sms4Sats empfangen. Open-Source-Apps bezieht er mit Obtainium direkt aus festgelegten Quellen wie GitHub und erhält darüber auch Aktualisierungen.
Bei Karten nutzt Timo drei Stufen. CoMaps bietet Offline-Karten und Offline-Navigation. Magic Earth ergänzt Verkehrsdaten und einige Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs. Reicht beides nicht, öffnet er Google Maps kurz im Browser und schließt die Seite nach der Nutzung wieder.
Für Fotos verwendet Timo die offizielle Google Pixel Kamera, weil ihre Bildqualität deutlich besser ist. Er entzieht ihr jedoch den Netzwerkzugriff. So kann die App zwar auf die Kamera zugreifen, aber keine gesammelten Daten an einen Server übertragen. Bei Messengern trennt er private und berufliche Kommunikation zusätzlich durch Signal und Molly sowie Telegram und Mercurygram.
Ideen übernehmen, nicht das ganze Setup
Unsere Konfigurationen sind über Jahre entstanden und wurden immer wieder verändert. Weil Privacy unser Beruf ist, können wir mehr Zeit in Tests, Profile und einzelne Werkzeuge investieren als jemand, der sich nur gelegentlich damit beschäftigt.