Podcast-Zusammenfassungen · Episode 12 · 21. Juli 2026
Private Backups richtig machen
Mit der 3-2-1-Regel, Verschlüsselung und getesteten Wiederherstellungen schützt du deine Daten vor Verlust und fremdem Zugriff.
Ein Backup schützt nur dann, wenn es nach einem Diebstahl, Defekt oder Bedienfehler wirklich wiederhergestellt werden kann. Gleichzeitig darf die Sicherung nicht zum offenen Archiv für Cloudanbieter oder Finder einer verlorenen Festplatte werden. Man sollte deshalb Datenverlust und fremden Zugriff gemeinsam betrachten.
Die 3-2-1-Regel als Grundlage
Für wichtige Daten sollte man die 3-2-1-Regel nutzen:
- Drei Kopien: das Original und mindestens zwei Sicherungen.
- Zwei verschiedene Medien: zum Beispiel Computer, externe SSD und verschlüsselter Cloudspeicher.
- Eine Kopie an einem anderen Ort: etwa bei Familie, im Ferienhaus oder in einer Cloud.
Mehrere Festplatten im selben Haus reichen nicht. Bei Brand, Diebstahl oder einem anderen lokalen Schaden könnten alle Kopien gleichzeitig verloren gehen.
Was man wirklich sichern sollte
Zuerst sollte man den schlimmsten realistischen Fall durchspielen: Laptop und Handy sind weg, wichtige Konten nicht erreichbar und keine vertraute Sitzung ist mehr geöffnet. Aus diesem Szenario ergibt sich die Priorität:
- Exporte aus Bitwarden, Proton Pass oder einem anderen Passwortmanager
- Sicherungen der Zwei-Faktor-App, etwa Aegis oder Ente Auth
- Familienfotos, Testament, Vollmachten, Versicherungsunterlagen und andere unersetzbare Dokumente
- Arbeitsdateien sowie Programmeinstellungen und Konfigurationsordner, deren Neueinrichtung viel Zeit kosten würde
Passwortmanager und zweiter Faktor dürfen sich bei der Wiederherstellung nicht gegenseitig blockieren. Liegt das Festplattenpasswort nur im Passwortmanager, dessen Export wiederum auf dieser Festplatte liegt, entsteht ein unlösbarer Kreislauf. Ein notwendiges Entschlüsselungspasswort sollte zusätzlich offline und sicher verfügbar sein.
Vier Stufen für private Backups
1. Automatische Sicherung bei großen Anbietern
iCloud, Google Drive, OneDrive oder Dropbox sind bequem und einfach wiederherzustellen. Ohne eigene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann der Anbieter jedoch auf Inhalte zugreifen. Für besonders sensible Daten ist diese Stufe ungeeignet.
2. Verschlüsselte Cloud
Mit Cryptomator kann man Dateien vor dem Hochladen verschlüsseln. Proton Drive übernimmt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung direkt. Ente bietet entsprechende Lösungen für Fotos und Dateien. Bei klassischen Cloudanbietern bleiben trotz verschlüsselter Inhalte Metadaten sichtbar, weshalb speziell auf Privatsphäre ausgerichtete Dienste meist die bessere Wahl sind.
3. Eigene Cloud zu Hause
Eine NAS mit TrueNAS oder Synology kann sich ähnlich bequem wie ein Onlinespeicher nutzen lassen. Auch Nextcloud kann auf einem Mini-PC oder Homeserver laufen. Die Daten bleiben unter eigener Kontrolle, dafür trägt man Kosten, Wartung und Verantwortung selbst. Eine Sicherung ausschließlich im eigenen Haus erfüllt die Ortsregel noch nicht.
4. Verschlüsselte Offline-Sicherungen
Externe Datenträger bleiben nach dem Backup getrennt vom Computer. Unter Linux lässt sich eine ganze Festplatte bequem mit LUKS2 verschlüsseln. VeraCrypt funktioniert auf Linux, Windows und macOS, erfordert aber mehr Einarbeitung. Für große Datenmengen werden externe SSDs mit TLC-NAND empfohlen, etwa Crucial X9 Pro, Crucial X10 Pro oder Samsung T7 Shield.
Automatisieren, Versionen behalten, Wiederherstellung testen
Timeshift unter Linux, Time Machine unter macOS und der Dateiversionsverlauf unter Windows können regelmäßige Sicherungen automatisieren. FreeFileSync eignet sich systemübergreifend. Wichtig ist eine Versionshistorie: Wird eine Datei versehentlich gelöscht oder durch Schadsoftware verändert, darf dieser Zustand nicht sofort alle älteren Kopien ersetzen.
Jede Sicherung sollte testweise auf einem anderen Gerät, in einem neuen Konto oder in einer getrennten Umgebung wiederhergestellt werden. Nur so zeigt sich, ob Exportformat, Passwörter und zweite Faktoren tatsächlich funktionieren.
Timo Volkov erledigt seine Offline-Backups jede Woche über einen festen Kalendereintrag. Nino Lahrmann verbindet seine Sicherungen mit regelmäßigen Besuchen bei Familie, wo weitere verschlüsselte Festplatten lagern. Entscheidend ist nicht, welche Routine man wählt, sondern dass sie zuverlässig zum eigenen Alltag passt. Ein manuelles Wochenbackup kann nach der ersten großen Kopie bereits in etwa zehn Minuten erledigt sein.
Der praktische Start
- Die unersetzbaren Daten und Wiederherstellungszugänge auflisten.
- Eine zweite verschlüsselte Kopie anlegen.
- Eine dritte Kopie an einem anderen Ort aufbewahren.
- Alte Versionen behalten und automatische Löschungen prüfen.
- Die vollständige Wiederherstellung testen und einen festen Rhythmus einrichten.