Podcast-Zusammenfassungen · Episode 09 · 30. Juni 2026

Dein iPhone ist nicht privat, dafür aber gefährlich!

Apples Datenschutzversprechen hat klare Grenzen. Erfahre, welche Datenrisiken im Ökosystem stecken und wie du dein iPhone besser absicherst.

Datenschutzmarketing ersetzt keine Kontrolle

Apple bietet hochwertige Geräte, eine einheitliche Bedienung und ein bequemes Zusammenspiel von iPhone, MacBook, Apple Watch und AirPods. Diese Vorteile machen das Ökosystem attraktiv. Privatsphäre lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Timo Volkov und Nino Lahrmann kritisieren vor allem den Widerspruch zwischen Apples Datenschutzwerbung und den technischen sowie geschäftlichen Anreizen des Unternehmens. iOS und die meisten Apple-Apps sind proprietär. Man kann den Quellcode nicht unabhängig prüfen und muss Apple vertrauen. Gleichzeitig wächst Apples Werbegeschäft. Die Einstellungen gegen App-Tracking gelten nach ihrer Einordnung vor allem für Drittanbieter, nicht im selben Umfang für Apples eigene Apps und Dienste.

Das Problem ist nicht, dass Apple grundsätzlich schlechter als jeder andere Technikkonzern wäre. Apple wird gefährlich, wenn Nutzer das iPhone wegen der Werbung für eine bereits private Lösung halten und deshalb keine weiteren Schutzmaßnahmen treffen.

Das Ökosystem verbindet Daten und erschwert den Ausstieg

Eine Apple-ID verknüpft Smartphone, Computer, Uhr, Kopfhörer, Cloud und zahlreiche Apps. Das ist bequem, führt aber viele Informationen bei einem Unternehmen zusammen. Wer später wechseln möchte, muss Daten aus einem geschlossenen System lösen.

Timo berichtet aus Beratungen von schwer auffindbaren Exportfunktionen und Begrenzungen beim Herunterladen großer Fotoarchive oder vieler Sprachmemos. Manche Nutzer geben den vollständigen Export schließlich auf. Man sollte deshalb vor dem Kauf weiterer Apple-Geräte prüfen, welche Daten bereits in iCloud liegen, wie sie exportiert werden können und welche offenen Alternativen künftig genutzt werden sollen.

Open-Source-Programme erleichtern einen Wechsel häufig, weil Dateiformate und Funktionen überprüft und von anderen Entwicklern erweitert werden können. Außerdem sollte man nicht alle digitalen Aufgaben einem einzigen Anbieter überlassen.

Backups, VPNs und Browser haben Grenzen

Ein iCloud-Backup kann Apple Zugriff auf Schlüssel geben, die ansonsten verschlüsselte Inhalte wie iMessage-Nachrichten schützen. Advanced Data Protection verschiebt diese Kontrolle stärker zu dir und schützt unter anderem Backups, Dateien, Fotos und Nachrichten besser. Der eigene Wiederherstellungsschlüssel muss dann sicher verwahrt werden. Die Funktion steht nicht überall zur Verfügung.

Auch VPNs können auf dem iPhone nicht jede Verbindung zuverlässig abschirmen. Bei einem Serverwechsel von Proton VPN, Mullvad oder IVPN kann kurzzeitig die echte IP-Adresse sichtbar werden.

Bei Browsern bestand lange eine weitere Konzentration: Chrome, Brave und Firefox mussten auf dem iPhone Apples WebKit-Engine verwenden. Eine Schwachstelle in dieser gemeinsamen Grundlage konnte damit alle Browser gleichzeitig treffen. Eine andere Oberfläche bedeutete nicht automatisch eine unabhängige Browsertechnik.

Hinzu kommt die voreingestellte Google-Suche in Safari. Wer diese Einstellung beibehält, übermittelt Suchanfragen an Google. Tief ins System integrierte KI von OpenAI oder Google kann den möglichen Datenzugriff zusätzlich vergrößern.

AirTags schaffen ein mächtiges Ortungsnetz

AirTags lassen verlorene Gegenstände über das Netzwerk anderer Apple Geräte finden. Dasselbe Prinzip kann zum Stalking missbraucht werden. Warnungen vor einem fremden AirTag und der eingebaute Lautsprecher sollen schützen, funktionieren aber nicht immer zuverlässig. Der Lautsprecher lässt sich zudem entfernen.

Man sollte unerwartete Ortungswarnungen ernst nehmen und auch auf unbekannte Geräte achten, wenn der Verdacht besteht, verfolgt zu werden. Das Grundproblem bleibt: Erst wird eine sehr leistungsfähige Ortungsinfrastruktur geschaffen, anschließend soll ihr Missbrauch durch einzelne Schutzfunktionen begrenzt werden.

So verbesserst du deine Situation

  1. Man sollte Advanced Data Protection aktivieren und den Wiederherstellungsschlüssel sicher verwahren.
  2. Man sollte den Lockdown Mode prüfen. Er schränkt einige Funktionen ein, erhöht aber die Sicherheit und fällt bei gewöhnlicher App-Nutzung und beim Fotografieren laut Nino oft kaum auf.
  3. Statt automatisch das nächste Apple-Gerät zu kaufen, sollte man Fotos, Dateien und Memos schrittweise exportieren und offene Alternativen testen.
  4. Lebensbereiche sollten getrennt werden. Falls du ein iPhone beruflich brauchst, kann für private Aufgaben ein separates Gerät genutzt werden.
  5. Für einen Wechsel wird ein Google Pixel ab Generation 8 mit GrapheneOS empfohlen. Von Samsung oder Xiaomi wird als Standardalternative abgeraten, weil dort Tracking durch Google und den Gerätehersteller zusammenkommen kann.
  6. Ein Pixel kann zunächst parallel zum iPhone eingerichtet werden. So bleibt Zeit, Apps und Abläufe kontrolliert umzuziehen.

Ein normales Pixel wird bei Sicherheit und Privatsphäre ungefähr auf dem Niveau eines iPhones eingeordnet, bietet aber mehr Kontrolle. Mit GrapheneOS lassen sich Google-Dienste gezielt ausschließen oder abgeschottet installieren. Wer die Vorteile von Apple weiterhin braucht, sollte das Gerät als Werkzeug mit klaren Grenzen behandeln, nicht als fertige Datenschutzlösung.

Folge anhören