Podcast-Zusammenfassungen · Episode 07 · 16. Juni 2026

Was dir niemand über Open Source verrät

Offener Quellcode schafft Transparenz, aber nicht automatisch Sicherheit. So prüfst du Projekte, verstehst Lizenzen und findest gute Alternativen.

Was Open Source bedeutet

Bei Open Source ist der Quellcode einer Software öffentlich zugänglich. Andere können ihn prüfen und je nach Lizenz verändern oder weiterverwenden. Proprietäre Programme wie Windows oder macOS halten ihren Code dagegen geschlossen. Nur das jeweilige Unternehmen kann vollständig einsehen, was darin geschieht.

„Frei“ meint in diesem Zusammenhang nicht nur kostenlos. Es geht um die Freiheit, Software zu verstehen, zu überprüfen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Open Source steckt bereits in vielen alltäglichen Systemen. Die meisten Server laufen mit Linux, Android basiert auf dem Android Open Source Project und Programme wie VLC, LibreOffice und Gimp stellen ihren Code offen bereit.

Warum offener Code sicherer sein kann

Öffentlicher Code kann von vielen Entwicklern untersucht werden. Sicherheitslücken, unerwünschte Datensammlung und eingebaute Hintertüren lassen sich dadurch eher entdecken. Große Unternehmen haben ebenfalls ein Interesse an sicheren Open Source Grundlagen, weil ihre Server und Cloud Angebote darauf angewiesen sind.

Transparenz allein garantiert jedoch nichts. Ein unbekanntes Projekt mit nur einem Entwickler und jahrelang ohne Aktualisierung wird kaum gründlich geprüft. Offener, aber unbeachteter Code kann sogar Angreifern die Suche nach alten Schwachstellen erleichtern.

Man sollte deshalb drei Bedingungen prüfen:

  • Wird das Projekt regelmäßig aktualisiert?
  • Arbeiten mehrere aktive Entwickler daran?
  • Gibt es eine große Nutzergemeinschaft und Empfehlungen aus vertrauenswürdigen Quellen?

Timo Volkov und Nino Lahrmann bewerten weit verbreitete, aktiv gepflegte Open Source Software deshalb meist als sicherer als proprietäre Alternativen. Kleine oder verlassene Projekte erhalten diesen Vertrauensvorschuss nicht automatisch.

Projekte praktisch überprüfen

Auf AlternativeTo kann man nach einem bekannten Programm suchen und den Filter für Open Source einschalten. Ein zusätzlicher Fokus auf Privatsphäre hilft bei der engeren Auswahl. Auch die Empfehlungen von Privatopia und Privacy Guides dienen als Ausgangspunkt.

Danach sollte man die eigentliche Projektseite auf GitHub oder GitLab öffnen. Dort liefern mehrere Angaben einen schnellen Eindruck:

  1. Unter Releases sieht man, wann die letzten Versionen erschienen sind.
  2. Die Zahl der Contributors zeigt, wie viele Menschen am Code mitarbeiten.
  3. Sterne geben einen groben Hinweis auf Bekanntheit und Interesse.
  4. Issues und Release Notes zeigen, ob Fehler gemeldet und tatsächlich behoben werden.

Keine einzelne Zahl beweist Qualität. Mehrere aktuelle Releases, viele Beteiligte und eine aktive Gemeinschaft sind zusammen aber deutlich aussagekräftiger als das Etikett „Open Source“ auf einer Produktseite.

Lizenzen regeln die Weiterverwendung

Open Source Lizenzen bestimmen, was andere mit dem Code tun dürfen. Zwei Modelle markieren unterschiedliche Richtungen:

MIT Lizenz: Der Code darf sehr frei verwendet werden. Er kann auch Teil eines späteren proprietären Produkts werden.

GPL: Wer veränderte oder abgeleitete Software weitergibt, muss den Empfängern auch den zugehörigen Quellcode unter der GPL zugänglich machen. Rein private Änderungen lösen diese Weitergabepflicht nicht aus. Dieses Prinzip wird Copyleft genannt.

Für normale Nutzer ist die konkrete Lizenz meist weniger entscheidend als Aktualität, Sicherheit und Alltagstauglichkeit. Für Entwickler und Unternehmen bestimmt sie dagegen, ob und unter welchen Bedingungen Code in eigene Produkte übernommen werden darf.

Source Available ist nicht dasselbe wie Open Source. Der Code kann zwar eingesehen und geprüft werden, die Lizenz verbietet aber häufig eine kommerzielle Weiterverwendung. Beim von FUTO als Source First bezeichneten Ansatz darf der Code verändert und weiterentwickelt werden, solange damit kein Geld verdient wird. Als Beispiel für Source Available wird das Betriebssystem von Umbrel genannt.

Wie offene Software finanziert wird

Offener Code schließt Einnahmen nicht aus. Unternehmen können Support, Einrichtung, Wartung oder Hosting verkaufen. Red Hat bietet Dienstleistungen rund um Linux an. Bei Software as a Service kann der Code offen sein, während Kunden für Serverbetrieb und bequeme Bereitstellung zahlen.

Viele kleinere Projekte leben dagegen von Spenden. Wer eine kostenlose App regelmäßig nutzt, sollte nach der Spendenseite suchen und einen passenden Betrag geben. Dadurch erhalten Entwickler Anerkennung und einen Grund, das Projekt weiter zu pflegen. Timo Volkov verweist dafür auf die Spendenübersicht von Privatopia.

Ein einfacher Umstieg bei Bürosoftware

Timo Volkov empfiehlt OnlyOffice als offene Alternative zu Microsoft Word, Excel und PowerPoint. Die Oberfläche ähnelt Microsoft Office und erleichtert dadurch häufig den direkten Umstieg. Nino Lahrmann ergänzt LibreOffice. Es ist älter und wirkt teilweise weniger modern, kann aber je nach Datei besser funktionieren.

Man sollte beide Programme installieren und vorhandene Dokumente testweise öffnen. Microsoft Formate funktionieren meist gut, doch Schriftarten und aufwendige Formatierungen können anders dargestellt werden. Wenn ein neues Dokument von Grund auf erstellt wird, sollte man ein offenes Dateiformat wählen. Diese Dateien können inzwischen auch von Microsoft Office geöffnet werden.

Der sinnvollste nächste Schritt ist klein: Man sollte ein häufig genutztes proprietäres Programm auf AlternativeTo suchen, zwei offene Kandidaten anhand ihrer Projektaktivität prüfen und beide ausprobieren. So wird Open Source nicht zum Glaubenssatz, sondern zu einer nachvollziehbaren Entscheidung.

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